* von Roland M. Horn
Am 13. August 1956 sollte es
zu einer UFO-Sichtung kommen,
die sogar auf dem Radarschirm zu sehen war. Es war 21:30 Uhr in der
Radarstation in Bentwaters, Suffolk, England, wo die die Königliche
Luftwaffe
und die US-Luftwaffe gemeinsam einen Luftwaffen-Stützpunkt betrieben,
als auf
dem Radarschirm ein 25-30 Meilen (etwa 40-50 Kilometer) entferntes
Objekt sehen
war. Das Zielobjekt bewegte sich Richtung Ostsüdost.
Die Echos waren mit einer Ausnahme
die eines gewöhnlichen
Flugzeugs. Dieses eine Echo machte sich jedoch dadurch bemerkbar, das
es sich
mit einer Geschwindkeit von zwischen 4000 und 5000 mph (etwa 6500 –
8000 kmh)
bewegte. Über eine Zeitspanne von 30 Sekunden bewegte es sich in einer
geraden
Linie von seiner ursprünglichen Position zu einer Position von 15 oder
20
Meilen (etwa 30 – 40 Kilometer) nordwestlich von Bentwaters.
Ein paar Minuten später wurden acht
Meilen (knapp 13
Kilometer) südwestlich von Bentwaters ein Duzend Radarechos auf dem
Radarschirm
erspäht. Später sagte der Radar-Bediener gegenüber dem Projekt
Bluebook
(dem
Nachfolgeprojekt von Grudge), dass die Objekte wie normale Ziele auf
dem GCA
(Ground Controlled Approach – in der Luftfahrt ein radargesteuertes,
bodengeführtes
Blindlandeverfahren)-Bereich erschienen waren.
Eine
T-33 auf ihrem Weg nach Bentwaters wurde beauftragt,
nach diesen Objekten zu sehen, doch eine 45minütige
Suche, die nicht von
luftgestütztem Radar unterstürzt wurde, ergaben lediglich die Sichtung
eines
großen Sterns im Osten und ein küstennahes Signalfeuer. Die
Unfähigkeit
der
Piloten, das Objekt sehen zu können, führten zu einer sehr
kontroversen
Kritik
des atmosphärischen Physikers James E. Mc. Donald, der eine
ausgedehnte
Analyse
des Falles durchführte. Er behauptete, dass die Echos durch eine Reihe
von
technischen Gründen erklärt werden konnten und keine anormale
Ausbreitungen
benötigten.
Lakenheath-RAF-Luftwaffen-Stützpunkt
westlich von Bentwaters:
Während bzw. unmittelbar nach der Radar/Visuellen Sichtung informierte
Bentwaters Lakenheath, wo das Bodenpersonal , in südwestlicher
Richtung
ein
leuchtendes Objekt sah, das anhielt, stoppte, und dann nach Westen
davon
schoss. Zwei weiße Lichter erschienen, anscheinend aus verschiedenen
Richtungen. Die Ausführungen von Bluebook sind Clark zufolge ziemlich
vage in
diesem Punkt. Sie verschmolzen miteinander, und beide verschwanden in
dieser
Formation zusammen. Bevor sie dieses taten, führten die UFOs eine
rapide
Beschleunigung und abrupte Stopps durch, wie zwei Radargeräte in
Lakenheath
anzeigten.
Neatishead,
Norfolk, an, um ein
fremdartiges Objekt zu melden, dass um den Stützpunkt schwirrte. Der
Leitoffizier, F. H. C. Wimbledon, rief zurück und sagte, er hätte
einen
Nachtjäger vom Typ De Haviland Venom, in den Sektor geschickt.
Das Nachtjagd-Kontrollteam bestand
aus dem Jagd-Leiter
(einem Offizier), einem Corporal, einem Aufspürer und einem
Höhenmesser. Nun
konnten das bestausgebildete Personal und er selbst klar das weißliche
Licht
auf dem Radarbildschirm sehen, wie Wimbledon berichtete. Die Venom
steuerte in
seine Richtung, sah ein weißliches Licht, fing es per Radar auf, doch
bald
verschwanden sowohl das Echo als auch das Licht. Unmittelbar danach
war
der
Nachtjäger auf ein anderes Echo über Bedford, das nördlich von
Cambridge-Radar
gelegen ist, ausgerichtet, und der Navigator der es sah, sagte, es sei
das
deutlichste Radar-Echo, dass er jemals gesehen hätte. Dieses Objekt,
zehn
Meilen (etwa 16 km) von Lakenheath entfernt, erschien nun plötzlich hinter dem Flugzeug. Der Pilot versuchte
alles: er stieg, tauchte ab, kreiste und dergleichen mehr, doch das
UFO
handelte, so als ob es genau hinter ihm flog. Die Entfernung blieb
immer
gleich, sehr nahe, aber auf dem Radarschirm wurden immer eindeutig zwei Echos angezeigt.
Im 1974 erschienenen Buch
„UFOs Explained“ nahm sich der
Debunker Phil Klass dieses Falles an, der eine Kombination aus
verschiedenen Elementen
(Fehler des Bedieners, anormale Übertragung und Meteore)
zusammengebastelt hat,
die die Radar- und die visuellen Objekten) erklären sollte. Zwischen
Klass und
Thayer gingen Briefe hin und her, und Thayer sagte, dass Klass’
Interpretationen auf sachlichen Fehlern, unplausiblen Annahmen und
technischen
Missverständnissen beruhten. Martin Laurence Shaw, der in den 80er
Jahren eine
tiefschürfende Neuanalyse durchführte, kam zu dem Schluss, dass der
Lakenheath/Bentwaters-Report der „wahrscheinlich beeindruckendste
dieser Art
von Aufzeichnungen“ sei. (Nach Clark,
Jerome: The UFO-Book. Detroit
1998, S. 333-336)
Der deutsche Debunker Werner Walter
(CENAP) lässt auf seiner
Internet-Seite (http://cenap.alien.de/10.htm
-
Zugriff am 03.07.2012) folgendes
verlauten:
„(…)Nachdem auch auf der [Lakenheath]-Basis seltsame
Radarspuren erschienen, forderte man zwei Venom-Nachtkampfmaschinen
aus
Waterbeach zur Aufklärung an.
Gemäß amerikanischen Berichten handelte es sich dabei um einsitzige
Maschinen.(…)
1996 recherchierte dann [Jenny] Randles für eine auch von ihr
moderierte[n]
TV-UFO-Dokumentation über die britischen Regierungs-UFO-Akten [für
die]
BBC und
konnte die Res[s]ourcen des mächtigen Senders nutzen. So kam sie mit
den
Mannschaften der beiden Venoms in Kontakt! Da ihnen niemand jemals
einen
Geheimhaltungs-Schwur abforderte, sprachen sie frei von der Leber weg
über ihre
damalige Erfahrung.
Wie immer bei solchen Untersuchungen
von Klassikern ist mit Überraschungen zu
rechnen, so auch hier: Erstens waren die Venoms zweisitzige Maschinen
gewesen
und Jenny konnte mit dreien der beteiligten Flieger sprechen (der
vierte war
unbekannt verzogen), die durchweg alle noch ihre Logbücher von damals
besaßen,
so dass erstmals ein vollständiges Bild der tatsächlichen Ereignisse
[zustande
kam].“
Dies brachte sowohl große Belustigung
als auch sachliche
Kommentare wie: ‚Doch er hat nie mit uns gesprochen’ und ‚Wir waren
niemals
nahe Ipswitch’ oder ‚Wir haben nicht einfach irgendetwas gesehen und
dieses
Ding war 4000 Fuß [etwa 1,2 Kilometer in der Luft. Ich bin ziemlich
sicher,
dass wir Klass’ versuchte Interpretation ausschließen können.“
(Randles,
Jenny: Something in the Air.
Jenny
Randles, auf die Walter sich beruft, sagte in
Wirklichkeit:
Bei Walter heißt es weiter:
„Tatsächlich nahmen sie ein
[Irgendetwas] auf dem Radar wahr, welches aber
niemals mit ‚klarste Ziel[s], welches jemals [aufgenommen wurde’]
bezeichnet
werden konnte, ganz im Gegenteil.“
„Viertens gab es niemals eine Katz-und-Maus-Verfolgung,
geschweige denn, dass das niemals [das] sichtbare Ziel sich ganz
plötzlich von
vor der Maschine nach hinten springend bewegt habe. Ganz im Gegenteil
lag das
Problem darin, dass das Ziel völlig stationär aber dennoch nie zu
erreichen
war, weil es schlichtweg zu hoch stand und alle an einen Wetterballon
oder so
dachte[n]! Mit diesem Gedanken flogen [sie] auch wieder zurück und sie
konnten
gar nicht so recht verstehen, weswegen ihre amerikanischen Kollegen
deswegen so
ausflippten.“
„Die
zweite Venom hatte tatsächlich
mittels Radar das Target
aufgefangen, doch der Navigator sagt, dass er nie irgendetwas etwas
visuell
gesehen hätte.
Unglücklicherweise wurde der
betreffende Pilot nicht
interviewt, denn es ist möglich, dass er das Objekt gesehen hatte.
Doch
die
anderen drei Zeugen bezweifelten die diese Möglichkeit ernsthaft, weil
der er
so etwas niemals erwähnte, weder während der Mission noch hinterher.
War er
vielleicht die Quelle für die Behauptungen über eine visuelle
Begegnung
und ist
sein nachfolgendes Schweigen der Beweis dafür, dass er das einzige
Crew-Mitglied
war, das wirksam mundtot gemacht wurde? Angesichts der Berichte der
anderen
Männer finde ich dies unwahrscheinlich.
Was die Natur des Radarzeichens angeht, so stießen sie auf es, während es stationär war und zu keiner Zeit seine Geschwindigkeit so geändert hätte, um hinter ihnen fliegen zu können, wie der USAF-Bericht aussagt. Was sich eher ereignet hatte, so ist folgendes: ‚Wir flogen in Richtung des Objekts und weil es stationär war, bewegten wir uns so schnell, dass das Ding hinter uns war, bevor wir reagieren konnten. Wir flogen weiterhin in Kreisen, um wieder dass Target wieder anzupeilen, doch dies war nicht möglich. Tatsächlich mussten wir durch den zur Neige gehendem Treibstoff zur Basis zurückfliegen.’“(Randles 1997, S. 62-63)
Randles stellt fest:
„Es gibt hier eine offensichtliche Herkunft der
Unübersichtlichkeit. Das UFO schien sich ‚in einem Augenblick’ von der
Vorderseite zu dem Heck des Fluggerätes zu bewegen. Es handelte sich
um
eine
Folge davon, dass das Target genau da vorne am Himmel schwebte,
kombiniert mit
der schnellen Geschwindigkeit des RAF-Jets.“ (ebenda, S. 63)
(http://martinshough.com/aerialphenomena/Lakenheath/reconstruction.htm)
sagt Scofield:
„und die zweite Crew instruiert, einen Abfangkurs zu setzen.
Sie bestätigten Radar-Kontakt in ungefähr zehn Meilen [etwa 16
Kilometer]
direkt da vorne. Der Navigator rief die Entfernung ab als das Ziel
rapide näher
kam. In einer Meile [etwa 1,6 Kilometer) gab es einen Schrei der
Verwirrung von
dem Piloten, der nichts sah. Wir haben dann gehört. ‚Ich denke, sie
sind nun an
unserem Heck!“
Beinahe unverzüglich wurden beide
Crews aufgefordert, den
Einsatz abzubrechen und zum Stützpunkt zurückzukehren.
Es gibt also viel Verwirrung in
diesem Fall, doch eines gab
es nicht: Eine stichhaltige Erklärung für die Targets.
Bei diesem Artikel handelt es sich um eine (leicht
modifizierte) Textpassage aus meinem Buch „John A. Keel und der Stein
der
Weisen – Auf dem Weg zur Lösung des UFO-Phänomens“ (Twilight Line GbR,
Wasungen
2013). In diesem Buch finden Sie weitere klassische Fälle, die unter
die Lupe
genommen wurden, wie z.B. den Cash-Landrum-, den Socorro- und den
Trans-en-Provence
-Fall.
Er wurde erstmals im DEGUFORUM Nr. 82 veröffentlicht.
John
A. Keel und der Stein der Weisen
356 Seiten, 43 Schwarz-Weiß-Fotos und Abb.
epubli 2019
ISBN-13: 9783750243460
Preis: EUR 18,99
[1] Forrest D. Perkins war während des Zwischenfalls der diensthabende Wach-Oberbefehlshaber im Radar Traffic Control Center im Airfield Tower und wandte sich 1968 an die Öffentlichkeit)